Dorfgeschichte
Kurzfassung von Heinz Spies anlässlich der Heimattage 1970
Erfweiler-Ehlingen, das waren ursprünglich zwei Dörfer, die etwa seit dem frühen 16. Jhd. als zusammengehörig betrachtet werden können. Sie gehören zu den frühen Siedlungen in unserem Raume.
Erfweiler und Ehlingen waren schon zur römischen Zeit bewohnt. In der Flur „Im Retzacker“ wurde eine villa rustica mit einer Flächenausdehnung von 115 x 90 m freigelegt. Bereits 1880 hatte Pfarrer Rütter das etwas abseits stehende Badehaus freigelegt. Es lassen sich für den Villenkomplex mehrere Bauperioden nachweisen. Kurz nach 400 n. Chr. wurde er endgültig zerstört und aufgegeben.
Die eigentliche Siedlungsgründung, Erfweiler als fränkische und Ehlingen als merowingische Siedlung, erfolgte aber erst im 7. oder 8. Jahrhundert.
Die Merowinger und Franken benutzten die verödet vorgefundenen römischen Niederlassungen im Reitzacker und bei der Erfweiler Kirche als Begräbnisstätten.
Der hiesige Pfarrer Rütter vermutete bei den Ausgrabungen dieser römischen Niederlassungen im Jahre 1897 und den hierbei aufgefundenen Skeletten, Menschenschädel und Knochen, auf erschlagene Römer gestoßen zu sein.
Erfweiler-Ehlingen war Bestandteil der alten Grafschaft Blieskastel.
Die erste schriftliche Erwähnung von Erfweiler erfolgte in einer Urkunde vom Jahre 1223. Als Zeuge in dieser Urkunde erscheint ein Ritter Hermann von Erfweiler.
Obwohl der Namensgebung nach Ehlingen älter als Erfweiler ist, wird Ehlingen jedoch erstmals 1383 schriftlich in einer Urkunde erwähnt.
Die Ritter, genannt nach Erfweiler, sind bis zum Jahre 1368 nachweisbar. Sie waren Vasallen des Blieskasteler Grafenhauses.
Die Ritter, Edelknechte und Burgmannen, genannt von Kastel (Blieskastel), sind dann bis zu Beginn des 15. Jhd. die Lehensnachfolger an Erfweiler-Ehlingen.
Seit 1339 bildete die Grafschaft Blieskastel ein kurtrierisches Amt. Kurtrier beließ die Ritter von Kastel in diesem Leben.
Ehlingen wird 1383 als Eigengut des Edelknechts Nycklas von Kastel und seiner Frau Margaretha genannt. Dieses Eigengut kann als Vorläufer des späteren sogenannten Ehlingerhofes angesehen werden, aus dem der Ortsteil Ehlingen hervorging.
Die Mühle zu Ehlingen, erstmals 1449 urkundlich erwähnt, war einem ständigen Besitzwechsel unterworfen.
Den weitabgelegenen Besitz der Grafen von Blieskastel in der Moselgegend verwalteten die Vögte von Hunolstein. Diese wurden von Kurtrier mit erwähnenswerten Gütern auch in unserer Gegend belehnt. Urkundlich nachweisbar waren die Hunolsteiner schon vor 1425 als Lehensinhaber von Erfweiler-Ehlingen. Die Hunolsteiner gaben den Ort zu Unterlehen an andere Kleinadelsfamilien weiter; so unter anderen an die Ritter von St. Ingbert und die Edlen von Mauchenheimer.
Mitbesitzer an unserem Ort waren außerdem durch die Jahrhunderte hindurch: die von Gayelbach, die von Virelbach, die Schorren von Hornbach-Hasel, Jost von Flörsheim und die von Blumenau. Die Hunolsteiner Lehen wurden um 1500 von Kurtrier eingezogen, da die Hunolsteiner Linie im Mannesstamm erloschen war.
1532 reichte Kurtrier die Lehen zu Erfweiler-Ehlingen an Hans III. von St. Ingbert, „wie dieselben sein seliger Vater von Heinrich, Herrn und Vogt zu Hunolstein empfangen hatte".
1574, anlässlich einer Nachlassteilung zwischen Samuel von St. Ingbert und seiner Schwester, die Witwe Margaretha von Flersheim, erhielt Samuel alle Mannlehen, unter anderem auch Teile zu Erfweiler und den Mühlenzins daselbst.
Hochgerichtsherren des Ortes waren seit 1535 neben Kurtrier auch die Herren von Eltz, die auf Grund dieser Mithochgerichtsbarkeit Anteile aus Erfweiler-Ehlingen bezogen.
Der Besitz des Kleinadels begann durch Verkauf oder Tausch in den Jahren 1655 - 1663 an die Familie von der Leyen zu wechseln. Gekauft wurden von dieser Familie: der Geradwohlhof zu Ehlingen; Teile, die den Herren von Steinkallenfels gehörten; von Nassau - Saarbrücken Rechte und Gerechtigkeiten zu Erfweiler und ferner den Anteil an dem Doppelort, der im Besitz der Familie von Eltz war:
„Es empfangen die Gebrüder von der Leyen von Kurtrier die Lehen die das Kapitel von Trier von den Herren von Eltz erwarb. Item wegen der Herrschaft Hunolstein den großen und kleinen Zehnten zu Erfweiler und Ehlingen mit dem Kirchsatz daselbst mit allen Zugehörungen."
Das Erbe, welches die Familie von der Leyen antrat, war durch die Geschehnisse des 30-jährigen Krieges ruiniert. Nur auf Grund ihres großen Vermögens konnte eine rege Aufbauarbeit getätigt werden. Menschen wurden wieder angesiedelt und viele Familien von Erfweiler-Ehlingen können sich auf jene, ihre Vorfahren berufen. Ihre Namen leben weiter.
Insbesondere unter der Regentschaft des Grafen Carl Franz von der Leyen, nach dessen Tode, unter der Herrschaft der Exelentissima Domina Maria Anna, Witwe des Grafen Franz Carl, als Obervormünderin ihres noch minderjährigen Sohnes, und nicht zuletzt zu vergessen des Amtmannes Rosinus, erlebten alle Leyenorte an der Blies und am Mandelbach eine verstärkte Wiederbelebung.
Erst die Französische Revolution brachte neue Unbilden: Der Adel musste seine Besitzungen verlassen, aber für das Volk kam die endgültige Befreiung aus der Leibeigenschaft.
Erfweiler-Ehlingen war eng mit diesen Geschehnissen verknüpft. Durch Dekret des Nationalconvents vom Mai 1793 wurden alle Adelsgüter auf dem linken Rheinufer mit dem Kriegssequester belegt. 1816 kam Erfweiler-Ehlingen zur Pfalz und wurde somit bayerisch.
Ein Baudenkmal aus dem 11. oder 12. Jhd. ist der romanische Rundturm in Erfweiler. Er steht bei der Kirche, die sich eines hohen Alters erfreut. Er steht als besonderes Wahrzeichen für den Ort.
Ein weiteres Wahrzeichen des Ortes ist die 1868/69 auf einer Anhöhe oberhalb des Friedhofes von den Bürgern des Dorfes erbaute Josefskapelle, auf der wir an anderer Stelle noch näher eingehen werden.
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